SLS goes Racing: Der Mercedes SLS AMG GT3

Die Rennversion des Flügeltürers ist für den Kundensport gedacht

SLS AMG GT3 - Daimler AG
SLS AMG GT3 - Daimler AG
Kundensport - ein Begriff, wie er unter Fans der Marke Porsche jahrzehntelang bekannt ist. Mit dem neuen SLS AMG Flügeltürer C197 greift erwartungsgemäß nun Mercedes ein.

Es lag auf der Hand: Die Namenskürzel SL und SLR sowie SLS stammen aus der Motorsportvergangenheit von Mercedes aus den 1950er Jahren. Wenn dann ein legendäres Auto wie der 300 SL von 1954 in Form des SLS AMG Wiederauferstehung feiert und der Stuttgarter Autohersteller im Inneren des Prospekts zum SLS den Mercedes 300 SEL 6.8 zeigt – mit dem die Firma AMG den Grundstein zu ihrer Motorsportkarriere legte – spätestens dann war jedem Fachmann klar: Die Rennversion des neuen Supersportwagens SLS muss kommen!

Klicken Sie hier zum Artikel über den ersten Renneinsatz des SLS AMG am Nürburgring

Weltpremiere auf der New York Auto Show 2010: Der SLS AMG GT3

Und da ist er nun: Der SLS AMG für den seriennahen Motorsport. Am 11. August 2010 gab Mercedes den Verkaufsstart frei. Sein Preis beträgt 397.460 Euro brutto. Der SLS AMG soll in Sachen Umsatz, Geldverdienen und Imagegewinn dem Porsche 911 GT3 Cup Konkurrenz machen. Diesem Vorbild und dem Technischen Reglement entsprechend unterscheidet sich der SLS AMG GT3, der für den Einsatz in Sprint- und Langstreckenrennen konzipiert wurde, in zahlreichen Punkten von seiner Serienversion.

Lesen Sie hier mehr zur Serienversion des SLS AMG und ihrer Technik

Die Änderungen an der aus Kohlefaserlaminat bestehenden Karosserie fallen natürlich zuerst ins Auge. Eine neue Frontschürze mit größeren Lufteinlässen beispielsweise ebenso, wie die nach vorne herausragende Spoilerlippe, die den Anpressdruck auf die Vorderachse verbessern soll. Ein Windabweiser am vorderen Kotflügel erinnert an die Rennwagen der DTM. Da der Wagen über einen vollverkleideten Unterboden verfügt, an dessen Ende ein Heckdiffusor sitzt, erhielt die Motorhaube eine große Entlüftungsöffnung.

Eine Schnelltankanlage für 120 Liter Kraftstoff

Um Platz für eine im Gegensatz zum Serienfahrzeug breitere Rennbereifung zu schaffen, wurden die Kotflügel um 50 Millimeter geräumiger gestaltet. Die hinteren Bremsen werden durch Kanäle in den Schwellern belüftet. Nicht schön, aber zweckmäßig sind die Doppeltankstutzen in den hinteren Dachsäulen des SLS AMG GT3. Der Tank sitzt hinter dem Fahrer, der wahlweise durch eine Windschutzscheibe aus Glas oder aus Polycarbonat schauen kann. Die Seiten- und das Heckfenster sind grundsätzlich aus diesem Material gefertigt.

Die Entlüftungsöffnungen der hinteren Bremsanlage sind optisch nichts gegen den mächtigen Heckspoiler, der in jeder Hinsicht einstellbar und damit an die entsprechende Rennstrecke und die Rennbedingungen anzupassen ist. Der große Diffusor am Heck ist den Anforderungen der Aerodynamik geschuldet und besteht aus Kohlefaser. Auch eine Regenrückleuchte sitzt am Heck. Die Homologation soll im Herbst 2010 erfolgen und rechtzeitig vor Saisonstart im März 2011 abgeschlossen sein.

Die Homologation ist eine Art Zulassungsverfahren innerhalb des Motorsports

In einem Homologationsblatt werden Rennstrecken und Fahrzeuge beziehungsweise deren Daten und Beschreibungen exakt erfasst. Diesem Status müssen die Rennwagen dann bei den Rennen entsprechen, was mittels einer Abnahme kontrolliert wird. Auf diese Weise werden mögliche Manipulationen und konstruktive Veränderungen zur Erlangung unfairer Vorteile vermieden. Die Homologation ist für einen Fahrzeugtyp also die formelle Voraussetzung, um Rennen fahren zu können.

Natürlich können dennoch Einstellungen am Rennwagen verändert werden. So auch das Fahrwerk des SLS AMG GT3. Während sein Motor weitestgehend der Serienversion entspricht und 600 PS leistet, erhielt der Rennwagen ein sequenzielles Sechsgang-Renngetriebe mit integriertem Sperrdifferenzial. Gangwechsel werden per Schaltpaddel am Lenkrad durchgeführt. Die Bremsen sind reine Rennsportteile: Sechs- und Vierkolbenzangen, Graugussscheiben, ein Renn-ABS. Mit an Bord ist eine integrierte Luftwagenheberanlage.

Ein Überrollkäfig aus Stahl schützt den Fahrer und dominiert optisch den Innenraum

Das Interieur ist eine interessante Sache, weil die Tatsache, dass es weitestgehend unverkleidet ist, Einblicke in die Karosserietechnik speziell der charakteristischen Flügeltüren zulässt, wie sie der serienmäßige SLS AMG nicht bietet. Des weiteren ist alles sehr karg und zweckmäßig gehalten: Rennsportsitze, das den Helm nach einem Unfall fixierende HANS-System (Head-and-Neck-Support, sichert den Kopf vor Hin- und Herschleudern) und ein nach oben hin offenes Lenkrad mit 33 Zentimetern Durchmesser sowie die Anzeigentafel des Zentraldisplays.

Der neue SLS Rennwagen gehört zur Gruppe GT3

Porsche bietet mit dem 911 GT3 seit langem eine feste Basis für den Motorsport wohlbetuchter Privatleute. Im Carrera Cup beispielsweise sind Privatteams zu Hause, die sich mit identischen Fahrzeugen um vordere Plätze balgen. Die Alternative zu diesem geschlossenen Markenpokal ist die Gruppe GT3, die im Jahr 2006 von der Motorsportweltbebörde FIA (Fédération Internationale de l’Automobile) – dem Dachverband zum Thema Automobil – ins Leben gerufen wurde.

Die Konkurrenten in der Gruppe GT3 tragen große Namen: Ferrari, Audi, Lamborghini, Porsche

In dieser Klasse treten nicht nur Porsche 911 (997) GT3 Cup an, sondern auch Fahrzeuge wie der Maserati Trofeo GSL, der Audi R8 LMS, der Jaguar XKR-S, der Ferrari F430 GT3, der Lamborghini Gallardo GT3, der Lotus Exige GT3, der BMW Alpina B6 GT3, der Ferrari F430 Scuderia oder das Dodge Viper Competition Coupé. Sie alle müssen sich nach dem Technischen Reglement der GT3-Europameisterschaft richten, das durch Artikel 257A im Anhang J des Internationalen Sportgesetzes beschrieben ist.

Die Gruppe GT3 gilt als Breitensport im Motorsport und tritt weltweit zu Rennen an

Gewicht und Reifendimensionen sowie die Größe des Air Restriktors wurden vom Dachverband festgelegt, um die Chancengleichheit der Fahrzeuge der Gruppe GT3 zu wahren. Vor jeder Saison veranstaltet die FIA daher einen Vergleichstest, um die Autos anzugleichen. Der Porsche 911 dient als Referenzfahrzeug. Rennen werden veranstaltet in Deutschland (ADAC GT Masters), Belgien (Belgische GT-Meisterschaft, ehemals Belcar), England (Britische GT-Meisterschaft), Frankreich, Italien, Spanien sowie sogar in Australien und Brasilien.

Auf diese Weise hat der SLS AMG nicht nur als Pacecar im Rahmen der Formel 1 Gelegenheit, weltweit zu zeigen, was in ihm steckt. Er kann nun auch selbst zu Rennen antreten und die Motorsportgeschichte des Stuttgarter Autoherstellers fortschreiben, zu der auch der 300 SL der Carrera Panamericana aus dem Jahre 1952 gehört. Ein gefundenes Fressen ist dieser Rennwagen auch für die Hersteller von Modellautos, die mit den Modellen vom Audi R8 im Motorsport, dem Porsche 911 in allen seinen GT3-Versionen und anderen Typen weltweit viel Geld verdienen und Arbeitsplätze schaffen.

Für Porsche greift Jörg Tilmes selbst zum Lappen, Jörg Tilmes

Jörg Tilmes - Was Sie von mir an dieser Stelle erwarten dürfen? Artikel zu Themen aus dem Bereich der Fernsehbranche, mit der ich seit 1999 ...

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